Hallo,
Ich habe gerade eine schwiereige Situation mit meinem Kind und absolut ratlos.
Kurz zu uns.
Ich bin mit 19 Jahren Mama von einem Mädchen geworden.
Ich hatte immer ein sehr gutes und vertrauensvolles Verhältnis zu ihr.
Mit ungefähr 10 Jahren bekam sie Probleme in der Schule und entwickelte eine Schulangst.
Mit ca. 12 Jahren kamen massive psychische Probleme und Schlafstörungen dazu.
Seitdem sind wir therapeutisch und psychiatrisch angebunden.
Mit 13 Jahren sagte er mir, dass er sich nicht als Mädchen fühle, sondern als Junge.
Er war das erste Mal in der Klinik und bekam eine angsstörung und Depressionen diagnostiziert.
Sein Selbstwert Gefühl und Selbstvertrauen waren immer sehr schwach ausgeprägt.
Die Zeit war höchst belastend.
Er wurde auch mehrfach akut eingewiesen, wegen suizidaler Gedanken. Trotzdem behielten wir eine Tiefe Verbindung zu einander.
Konflikte gab es eigentlich kaum.
Mit 14 hatte er seine erste Freundin, mit der er über ein Jahr zusammen war.
Nun wird er nächsten Monat 17 Jahre alt.
Vor ca 4 Monaten lernte er einen 17 jährigen Jungen kennen.
Die beiden kamen recht schnell zusammen.
Die Beziehung war von Anfang an etwas schwierig.
Er erzählte mir, dass sein Freund wohl eigentlich polygam sei. Sie Swinemünde einer monogamen Beziehung, aber der Freund schaue schon sehr viel auf andere inklusive der Freunde meines Sohnes und sie immer sehr auf körperkontakt mit allen aus.
Was wohl auch negativ im Freundeskreis auffiel.
Es gab diesbezüglich wohl Gespräche.
Insgesamt war die Beziehung wohl sehr körperlich, was meinen Sohn wohl etwas überforderte.
Über die polygamie gab es wohl auch Gespräche.
Das schon einmal zur Erklärung.
Vor ca einem Monat kam mein Sohn zu mir und berichtete darüber, wie unwohl er sich inzwischen fühle.
Sein Freund wollte wohl viel mehr Intimität mit ihm, als umgekehrt.
Mein Sohn hat es dann nach seinen Berichten über sich ergehen lassen, aber meistens keine Lust gehabt.
Im weiteren Gespräch erzählte er mir dann, dass sein Freund wohl bei einem Mal, ohne ihn zu fragen das Kondom angezogen hat.
Als er das merkte, hat er sofort gesagt, dass er das nicht möchte.
Daraufhin haben sie wohl nicht sofort aufgehört, aber sein Freund hatte wohl keine Eskalation in ihm.
Ein anderes Mal habe sein Freund während des Geschlecht Verkehrs sein Handy genommen und ohne zu fragen angefangen unten rum zu filmen.
Auch da habe mein Sohn, als er das gesehen hat, gesagt, dass er das nicht möchte.
Sein Freund hat wohl aufgehört.
Gelöscht wurde es nicht.
Als ich das alles hörte war ich total entsetzt.
Ich habe ihm gesagt, dass das eine totale Grenzüberschreitung war und eine Entscheidung über seinen Körper ohne vorheriges Einverständnis.
Dass das beides absolut nicht gehe und wir sofort handeln müssen.
Er machte daraufhin Schluss, wollte aber wohl unbedingt mit ihm befreundet bleiben.
Als Schlussmach Grund nannte er ihm nur die Unsicherheit, dass er sich jederzeit zusätzlich in jemand anderen verlieben könne und er da zu viel Angst vor hat.
Auch wenn ich das nicht richtig fand, sagte ich ihm wie gut ich es finde, dass er mir das erzählt hat und er erst einmal emotionalen Abstand gewinnen sollte und wir Dann weiter schauen.
Innerlich war ich am überlegen, ob ich seinen Eltern Bescheid gebe oder das sogar zur Anzeige gebracht werden kann.
Beides wollte er absolut nicht.
Als ersten Kompromiss haben wir dann vereinbart, dass er ihm doch sagt, dass diese Situationen zu weit gingen und das er das Video unbedingt löschen solle.
Er fuhr sogar noch weiter dorthin.
Auch das erlaubte ich, weil ich dachte, wenn ich es verbiete, macht er es heimlich und ich wollte wenigstens wissen wenn er dort ist.
Hierher durfte sein ex Freund seitdem nicht mehr.
Anstatt weniger Kontakt zu haben, gab es Dann Doch wieder mehr und vor zwei Tagen sagte er mir, sie seien wieder zusammen.
Zu mir meinte er, dass die Situationen rückblickend wohl nicht so schlimm gewesen seien.
Im letzten Monat habe ich ihm immer wieder gesagt, wie schädlich ich diese beziehung finde.
Dass unbedingt ein Gespräch stattfinden muss.
Dass ich als Mutter da nicht einfach nichts zu sagen kann.
Er wird dann sofort total ablehnend und sagt, dass er das absolut nicht möchte.
Immer wenn wir darüber geredet haben, haben wir uns gestritten.
Inzwischen ist die Situation so angespannt, dass wir gar nicht mehr normal miteinander reden können.
Nun weiß ich nicht was ich machen soll.
Ich will sein Vertrauen nicht verlieren.
Ich weiß, dass er es jetzt schon tatal bereut mir das erzählt zu haben.
Aber ich kann doch deswegen nicht einfach nichts machen.
In meiner Jugend war ich in einer ähnlichen Situation.
Ich hatte damals auch gesagt, dass ich nicht will, dass sich dadurch irgendetwas ändert.
Nach vielen Jahren bekam ich davon eine posttraumatische Belastungsstörung.
Rückblickend denke ich, dass man so jung nicht alleine entscheiden kann, dass so ein Verhalten keine Konsequenzen hat.
Ich habe meiner Mutter nie verziehen, dass sie das so stehen gelassen hat und sich nicht für mich eingesetzt hat.
Reicht die Konsequenz, dass er hier nicht hin kommen darf, ohne das ich ein Gespräch mit ihm führe?
Dann wird das wohl einfach nicht passieren.
Sollte ich mich über seinen Wunsch hinweg setzen und ihn oder seine Eltern kontaktieren?
Dazu kommt, dass ich hochschwanger bin und den ganzen Tag nur noch heulen könnte.
Ist das hormonell bedingt?
Ich hab keine Ahnung ob ich über- oder untertreibe!
Vielen Dank für eure Hilfe🙏🏼
Liebe Isa88,
Ich begrüße Sie herzlich bei uns im Elternforum. Ich betreue beide Foren als Moderatorin und wir sind ein Team, das Eltern und Jugendliche begleitet. Schön, dass Sie zu uns gefunden haben und sich hier mitteilen. Sie sind hier richtig mit Ihrem Anliegen und ich hoffe sehr, dass Sie gute Ideen bekommen und vor allem etwas Entlastung und Rückhalt hier finden können: sowohl für Sich als Mutter, aber auch für Ihren Sohn. Es geht, finde ich, bei Ihrem Anliegen um folgende Fragestellungen: Was ist angemessen als Mutter von einem 17jährigen und was nicht? Braucht er ein Gefühl, dass Sie ihn noch halten und ab wann ist es doch zu viel? Müssen Sie ihn schützen und wenn ja, wie?
Leider haben Sie selbst die Erfahrung gemacht, dass Ihre Grenzen damals als Jugendliche nicht geachtet, überschritten wurden und hätten Ihre Mutter damals gebraucht. Das tut mir sehr leid, dass Sie damals niemand schützen konnte.
Sie wissen davon, dass Grenzen von Ihrem eigenen Kind nicht gewahrt wurden. Er offenbart es Ihnen. Das spricht für ein Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen. Das ist und bleibt eine wichtige Basis! Man liest, dass Sie sehr einfühlsam sind und sich um Ihren Sohn und seine Bedürfnisse kümmern. Auch er wird es spüren und schätzen, auch wenn er es immer weniger zeigt. Weil sein Blick auf seinen Freund und weniger auf Sie gerichtet ist. Das ist natürlich. Das macht unruhig und ungeduldig, auch besorgt. Ich kann es sehr gut nachfühlen!
Aber wie findet man als Mutter zu einem guten Mass? Sie fühlen es intuitiv vielleicht richtig: durch Grenzen und Klarheit vermitteln Sie Ihrem Jugendlichen das Gefühl, dass Sie ihn auch schützen wollen. Offenbar ist er noch unsicher und braucht etwas Rückhalt. So würde ich es nennen. Vielleicht würden Sie es anders nennen? Gerne können Sie hier schreiben, was Sie intuitiv gerne tun würden. Da liegt oft die Antwort verborgen. Aber Ihre Erfahrung beschäftigt Sie gerade auch und es ist wichtig, das Ganze von außen zu betrachten. Warum? Weil Sie mit Ihrem Sohn sehr eng verbunden sind und sich von außen nicht sehen können. Deshalb begrüße ich es sehr, dass Sie es hier zwar sehr offen mitteilen, aber auch auf eigene Erfahrung hinweisen und nach einem Blick von außen suchen. Danke Ihnen für Ihre Offenheit. Ich hoffe, dass Sie das finden, was Sie gerade brauchen.
Vermutlich sind Sie durch die Schwangerschaft gerade sehr zugänglich für alles, was Sie umgibt, eine eher dünnere Schicht haben, sensibel sind und Ihre Intuition geschärft ist. Vertrauen Sie auch darauf. Weinen Sie, lernen Sie loszulassen, schauen Sie nach vorne mit mehr Zuversicht…
Ich wünsche Ihnen etwas Zuversicht und Vertrauen darauf, dass Ihr Sohn auf sich aufpassen kann und dass Sie als Mutter das Richtige tun. Da Sie Ihre Beziehung als sehr innig beschreiben und aber wissen, dass sein Selbstwertgefühl nicht so stark ist, kann ich mir Ihre Sorgen sehr gut vorstellen. Dennoch geht es vielleicht doch um eine Balance zwischen Retten und Behüten wollen und aber auch um Aufklären und einen klaren Rahmen setzen. Sie dürfen noch Kontrollieren und Grenzen setzen. Ich glaube, dass Ihr Kind davon profitieren wird und sich geschützt fühlt, auch wenn es rebelliert und Dinge von Ihnen verheimlicht. Das gehört zur Ablösung dazu. Nur Mut und Ausdauer!
Viele Grüsse
bke-Kira-Morgenthal